Was ist AVIF und warum öffnen manche Programme diese Datei nicht?
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Bekanntschaft mit einer neuen Dateiendung
Sie haben ein Bild per Rechtsklick gespeichert und .avif vor sich gehabt. Vielleicht hat Ihnen auch ein Designer eine Datei mit dieser Endung geschickt. Sie haben doppelt geklickt, und Ihr Rechner wusste nichts damit anzufangen.
AVIF ist ein Bildformat, das sich in den letzten Jahren im Web rasch verbreitet hat. Technisch ist es ausgesprochen beeindruckend; in der Praxis funktioniert es aber noch nicht überall. In diesem Beitrag erklären wir, was das Format ist, warum es so effizient arbeitet und warum manche Programme damit nicht zurechtkommen.
Was ist AVIF?
AVIF steht für AV1 Image File Format. Wie der Name schon andeutet, ist das Format von einem Videocodec namens AV1 abgeleitet.
Der Gedanke dahinter: Moderne Videocodecs verfügen über hochentwickelte Techniken, die seit Jahren daran gefeilt haben, ein einzelnes Bild mit möglichst wenig Daten zu speichern. Im Video nennt man das „Intra-Frame-Kodierung" — die Kompression eines Einzelbildes für sich allein, ohne Blick auf die Nachbarbilder. Und ein Foto ist im Grunde nichts anderes als ein einzelnes Bild. Wenn man also die beste Intra-Frame-Kodierung aus der Videowelt nimmt und sie als Bildformat verpackt, erhält man ein sehr effizientes Fotoformat.
Genau das ist AVIF: die Intra-Frame-Kodierung des AV1-Codecs, eingebettet in einen Bilddatei-Container.
Warum ist es so klein?
JPG ist ein Standard, der Anfang der 1990er-Jahre definiert und auf die Rechenleistung jener Zeit ausgelegt wurde. Es zerlegt das Bild in Blöcke fester Größe und entfernt in jedem Block die Frequenzanteile, die das Auge kaum wahrnimmt. Für seine Zeit genial, aus heutiger Sicht grob.
Die AV1-basierte Kodierung arbeitet dagegen weit flexibler. Sie kann das Bild in Bereiche variabler Größe unterteilen, in gleichmäßigen Flächen große Blöcke verwenden und in detailreichen Bereichen kleiner werden und weit mehr Richtungen und Verfahren ausprobieren, um den Inhalt eines Bereichs aus den Nachbarbereichen vorherzusagen. Kurz gesagt sucht sie für jedes Bild aus einem viel größeren Pool an Optionen die „günstigste Beschreibungsform".
Das Ergebnis ist eine vielfach genannte Beobachtung: Bei gleicher Bildqualität ist AVIF gegenüber JPG in der Regel deutlich kleiner — die häufig genannte grobe Halbierung ist eine Näherung, und das tatsächliche Verhältnis schwankt je nach Bildinhalt erheblich. Bei Bildern mit einheitlichen Farbflächen und weichen Übergängen fällt der Gewinn groß aus; bei Fotos mit starkem Rauschen und feiner Textur wird der Unterschied kleiner.
AVIF ist meist auch effizienter als WEBP, doch der Abstand ist hier viel geringer als gegenüber JPG.
Was JPG nicht kann
Die Dateigröße ist nicht der einzige Vorteil von AVIF. Das Format unterstützt zudem einige Eigenschaften, die JPG nie transportieren konnte:
- Alphakanal (Transparenz). Es kann wie PNG transparente und halbtransparente Bereiche enthalten.
- Hohe Bittiefe. 10 und 12 Bit pro Kanal werden unterstützt; JPG ist auf 8 Bit begrenzt. Das reduziert Banding in weichen Himmelsverläufen.
- Erweiterter Farbraum und HDR. Es kann den größeren Farbumfang transportieren, den moderne Displays darstellen können.
- Verlustbehafteter und verlustfreier Modus. Je nach Bedarf lässt sich beides speichern; im verlustfreien Modus gibt man den größten Teil des Größenvorteils auf.
Warum öffnen manche Programme es also nicht?
Das Problem hat nichts mit der Qualität des Formats zu tun, sondern mit seinem Alter.
Damit eine Software eine AVIF-Datei anzeigen kann, muss sie einen AV1-Decoder enthalten. Das bedeutet, dass die Software aktualisiert werden muss. Und der Großteil der Software auf dieser Welt wird nicht aktualisiert.
In der Praxis bereiten folgende Stellen Probleme:
- Alte Desktop-Programme. Photoshop vor einer bestimmten Version, ältere Bildbetrachter und seit Jahren nicht gepflegte kostenlose Werkzeuge erkennen AVIF nicht.
- Alte Betriebssysteme. Auf älteren Windows- und Mobilversionen ohne systemweite Bildcodec-Unterstützung erscheint die Datei nicht einmal in der Vorschau.
- Alte Telefone. Geräte, die lange keine Updates mehr erhalten haben, können die Datei möglicherweise nicht öffnen.
- Content-Management- und E-Commerce-Plattformen. Viele Backends prüfen den Dateityp beim Upload anhand einer Positivliste, und AVIF steht womöglich nicht darauf.
- Office-Software und Präsentationswerkzeuge. Ein AVIF direkt auf eine Folie zu ziehen funktioniert meistens nicht.
- Messaging- und Social-Media-Plattformen. Manche lehnen die Datei ab, manche nehmen sie an und wandeln sie in ihr eigenes Format um.
Aktuelle Mainstream-Browser unterstützen AVIF dagegen. Daraus ergibt sich eine seltsame Lage: Die Datei öffnet sich im Browser ganz wunderbar, auf dem Desktop aber nicht. Das bedeutet nicht, dass Ihre Datei beschädigt ist.
Die Kosten der Kodierung
Ein weiterer praktischer Nachteil von AVIF ist, dass seine Erzeugung rechenintensiv ist. Da der Encoder weit mehr Optionen abwägt, dauert die Umwandlung eines Bildes nach AVIF deutlich länger als die Umwandlung desselben Bildes nach JPG. Bei einer einzelnen Datei ist dieser Unterschied unerheblich; wenn Sie ein Archiv aus Tausenden Bildern im Stapel umwandeln, ist es ein Kostenfaktor, den Sie einplanen müssen.
Was tun?
Lässt sich Ihr AVIF nicht öffnen, haben Sie zwei Möglichkeiten. Erstens: Aktualisieren Sie die Software, mit der Sie die Datei öffnen wollen. Zweitens, und meist praktischer: Wandeln Sie die Datei in ein verbreitetes Format um.
Bei fotografischen Inhalten ohne Transparenz liefert es das kompatibelste Ergebnis, AVIF in JPG umzuwandeln. Enthält das Bild transparente Bereiche oder handelt es sich um eine Grafik mit scharfen Kanten, ist PNG das passendere Ziel.
Wenn Sie AVIF für Ihre eigene Website erzeugen und sich an ein breites, Ihnen unbekanntes Publikum richten, ist es nach wie vor klug, ein JPG als Rückfalloption danebenzulegen. Das picture-Element von HTML gibt es genau dafür: Unterstützt der Browser AVIF, lädt er das AVIF, andernfalls das JPG.
Fazit
AVIF ist ein Standard der neuen Generation, der die besten Techniken aus der Welt der Videokompression in ein Fotoformat überführt. Es ist bei gleicher Qualität erheblich kleiner als JPG und unterstützt Transparenz sowie hohe Farbtiefe. Seine Schwäche ist nicht technischer, sondern ökosystemischer Natur: Ein großer Teil der Softwarewelt kennt es noch nicht. Deshalb ist es sinnvoll, AVIF im Web einzusetzen — doch wenn Sie die Datei jemandem schicken oder in einem Programm öffnen müssen, ist die Umwandlung meist der schnellste Weg.
Häufig gestellte Fragen
Ist die AVIF-Datei beschädigt oder ist mein Programm zu alt?
Fast immer trifft Letzteres zu. AVIF ist ein vergleichsweise neues Format, und um eine solche Datei zu lesen, muss ein Programm einen AV1-Decoder enthalten. Eine alte Photoshop-Version, eine alte Windows-Fotos-App oder ein seit Jahren nicht aktualisierter Bildbetrachter besitzt diesen Decoder nicht und erkennt die Datei daher nicht. Wenn sich dieselbe Datei problemlos öffnet, sobald Sie sie in einen aktuellen Browser ziehen, ist Ihre Datei in Ordnung. Aktualisieren Sie in diesem Fall entweder Ihr Programm oder wandeln Sie die Datei in ein verbreitetes Format wie JPG oder PNG um.
Was ist der Unterschied zwischen AVIF und WEBP?
Beide sind moderne Webformate und unterstützen Transparenz sowie einen verlustbehafteten und einen verlustfreien Modus, doch AVIF ist eine Generation jünger. Da AVIF die Kompressionstechniken des AV1-Videocodecs nutzt, ist es bei gleicher Bildqualität in der Regel auch effizienter als WEBP. Dafür wird WEBP, weil es schon länger im Umlauf ist, von Desktop-Programmen, Content-Management-Systemen und älteren Geräten breiter erkannt. AVIF steht also auf der effizienteren, WEBP auf der sichereren Seite.
Unterstützt AVIF Transparenz?
Ja, AVIF unterstützt den Alphakanal vollständig, kann also wie PNG transparente und halbtransparente Bereiche enthalten. Das ist ein wichtiger Vorteil gegenüber JPG, denn JPG unterstützt Transparenz überhaupt nicht. Darüber hinaus unterstützt AVIF Eigenschaften wie hohe Bittiefe, erweiterten Farbraum und HDR, die JPG nicht transportieren kann. Damit diese Fähigkeiten zum Tragen kommen, muss die anzeigende Software sie allerdings ebenfalls unterstützen; in einer Umgebung, die das nicht tut, lässt sich die Datei ohnehin gar nicht erst öffnen.
Warum dauert das Erzeugen einer AVIF-Datei länger?
Die geringe Dateigröße von AVIF ist nicht umsonst zu haben; der Encoder unterzieht das Bild einer weitaus komplexeren Analyse. Die AV1-basierte Kodierung rechnet im Vergleich zum vergleichsweise einfachen blockbasierten Ansatz von JPG erheblich mehr und durchsucht die möglichen Kodieroptionen weit umfassender. Deshalb dauert das Speichern eines Bildes als AVIF deutlich länger als das Speichern desselben Bildes als JPG. Auf der Anzeigeseite ist das kein Problem; das Dekodieren geht im Vergleich zum Kodieren sehr viel schneller.
Probieren Sie es gleich mit AVIF → JPG Dönüştür aus.
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