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HEIC und WEBP: die Unterschiede zweier moderner Formate
Ratgeber

HEIC und WEBP: die Unterschiede zweier moderner Formate

5 Min. Lesezeit

Zwei Formate, zwei verschiedene Probleme

An der Oberfläche scheinen HEIC und WEBP Ähnliches zu tun: Beide sind modern, beide effizienter als JPG, beide entstanden in den 2010er Jahren. Doch die Frage, wegen der sie existieren, unterscheidet sich erheblich.

Die Frage, die HEIC zu beantworten versuchte, lautete: „Auf dem Telefon der Nutzerin liegen Tausende Fotos – wie speichere ich sie, ohne den Speicher zu füllen?" Die Frage von WEBP lautete dagegen: „Warum lädt eine Webseite so langsam, und wie kann ich ihre Bilder verkleinern?"

Diese Unterscheidung erklärt, wo die beiden Formate heute jeweils dominieren und warum Sie gezwungen sind, zwischen ihnen umzuwandeln.

Wie HEIC arbeitet

HEIC ist die für Standbilder angepasste Fassung des Videocodecs HEVC (H.265). Die Videokompression verfügte seit Jahren über weit fortschrittlichere Techniken als die Fotokompression; HEIC überträgt diesen Erfahrungsschatz auf das Einzelbild.

Das Ergebnis ist beeindruckend. HEIC kann dieselbe wahrgenommene Qualität mit spürbar weniger Daten speichern als JPG. Genau deshalb hat Apple es auf dem iPhone zum Standard gemacht – zumal die Telefone ohnehin über eine hardwareseitige HEVC-Unterstützung verfügten, das Komprimieren und Dekodieren also schnell und akkuschonend ablief.

HEIC ist ein verlustbehaftetes Format. Im Moment der Aufnahme werden Informationen verworfen, für die das menschliche Sehsystem unempfindlich ist, und sie kommen nicht zurück. Das ist kein Mangel, sondern eine Designentscheidung; genau daher rührt die Effizienz des Formats.

HEIC ist zudem ein Container: Es kann in einer einzigen Datei mehrere Bilder, eine Tiefenkarte, einen Bearbeitungsverlauf und weitere Zusatzdaten führen. Das ist der Mechanismus hinter Live Photo.

Wie WEBP arbeitet

WEBP wurde von Google für die Web-Performance entwickelt. Sein verlustbehafteter Modus beruht auf den Techniken des Videocodecs VP8; sein verlustfreier Modus verwendet dagegen einen völlig anderen Ansatz mit Mustervorhersage und Entropiekodierung.

Das prägendste Merkmal von WEBP ist seine Vielseitigkeit: ein Format, vier Fähigkeiten zugleich.

Verlustbehaftete Kompression. Für Fotos erzeugt es Dateien, die etwa ein Viertel bis ein Drittel kleiner sind als JPG. Das ist die bekannteste Eigenschaft von WEBP.

Verlustfreie Kompression. Es wird keinerlei Pixelinformation verworfen. Für Grafiken, Logos und Screenshots bildet es eine Alternative zu PNG.

Transparenz. Es unterstützt den Alphakanal sowohl im verlustbehafteten als auch im verlustfreien Modus. Das bedeutet, dass es die Transparenz von PNG zu Kosten nahe an der Dateigröße von JPG bieten kann – in der Praxis ein bedeutender Vorteil.

Animation. Es kann bewegte Inhalte speichern und wird als moderne Alternative zu GIF eingesetzt.

Unterstützung: hier liegt die eigentliche Trennlinie

Die technischen Eigenschaften sind interessant, doch was die beiden Formate im Alltag unterscheidet, ist die Frage, wo sie sich öffnen lassen.

Die Unterstützungslage von HEIC ist eng. Im Apple-Ökosystem funktioniert es reibungslos. Windows verlangt die Installation eines zusätzlichen Codecs. Webbrowser stellen es im Allgemeinen nicht direkt dar. Viele Webformulare, betriebliche Upload-Systeme und Desktop-Bearbeitungsprogramme kennen die HEIC-Datei nicht. Das ist nahezu der einzige Grund, warum Menschen nach einer Umwandlung aus HEIC suchen.

Die Unterstützungslage von WEBP ist breit. Auf Browserseite hat es eine Verbreitung erreicht, die man inzwischen als Standard bezeichnen kann, und moderne Betriebssysteme öffnen es nativ. Gehen Sie dennoch nicht davon aus, dass es überall funktioniert: Manche älteren Desktop-Programme, Werkzeuge der Druckvorstufe und betrieblichen Systeme akzeptieren WEBP möglicherweise nicht.

Der eigentliche Unterschied zwischen beiden liegt also nicht in der Kompressionsmathematik, sondern im Ökosystem. HEIC ist gut innerhalb des Geräts, WEBP gut außerhalb.

Was bei der Umwandlung passiert

Beim Wechsel von HEIC zu verlustbehaftetem WEBP kommt eine zweite verlustbehaftete Kompressionsrunde hinzu. HEIC war bereits verlustbehaftet, und der Verlust von WEBP legt sich obendrauf. Bei einer vernünftigen Qualitätsstufe ist die sichtbare Wirkung dieser zweiten Runde unter normalen Bedingungen nicht zu unterscheiden, mathematisch ist der Informationsverlust jedoch real.

Halten Sie Ihre Erwartung auf der Größenseite maßvoll. Da HEIC bereits sehr effizient ist, bringt der Wechsel zu WEBP keine dramatische Verkleinerung; die Dateigröße kann ähnlich bleiben und bei manchen Fotos leicht wachsen. Der Größenvorteil von WEBP besteht gegenüber JPG, nicht gegenüber HEIC.

Warum wandeln Sie dann überhaupt um? Weil Ihnen die Umwandlung von HEIC nach WEBP Kompatibilität verschafft: Ihre Datei öffnet sich nun im Browser, lässt sich in ein Formular hochladen und auf einer Website veröffentlichen. Was Sie gewinnen, sind nicht Bytes, sondern Verwendbarkeit.

Welches Format wo vorhalten

Auf dem Telefon: HEIC. Für die Speichereffizienz die richtige Wahl, und das Gerät öffnet es ohnehin problemlos.

Auf der Website: WEBP. Die Browserunterstützung ist breit, und bei der Dateigröße besteht ein deutlicher Vorteil gegenüber JPG.

Im Archiv: je nach Fall. Ist die langfristige Zugänglichkeit wichtig und wissen Sie nicht, mit welcher Software Sie das Archiv Jahre später öffnen werden, sind Formate mit breiterer Unterstützung sicherer.

Während der Bearbeitung: ein verlustfreies Format. Verlustfreies WEBP oder PNG verhindert den Generationsverlust bei Zwischenspeicherungen.

Zusammengefasst

HEIC und WEBP sind keine Konkurrenten, sondern zwei effiziente Formate, die für unterschiedliche Ökosysteme entworfen wurden. HEIC ist bei der Speicherung auf dem Gerät überlegen, WEBP im Web und bei der allgemeinen Kompatibilität. Die Umwandlung zwischen beiden erfolgt nicht wegen eines Gewinns bei Qualität oder Größe, sondern um die Datei überhaupt nutzen zu können. Setzen Sie Ihre Erwartung entsprechend, werden Sie mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Häufig gestellte Fragen

Welches von beiden, HEIC oder WEBP, komprimiert besser?

Beide sind die effizienten Formate ihrer jeweiligen Generation, und der Unterschied zwischen ihnen variiert je nach Inhalt. Da HEIC auf dem HEVC-Videocodec beruht, ist es besonders bei komplexen fotografischen Inhalten sehr stark. WEBP verschafft sich gegenüber JPG einen deutlichen Vorsprung, doch der Abstand zu HEIC schwankt von Foto zu Foto, eine eindeutige Überlegenheit in eine Richtung gibt es nicht. In der Praxis ist bei der Wahl zwischen diesen beiden weniger die Kompressionseffizienz entscheidend als die Unterstützungslage.

Ist der verlustfreie Modus von WEBP ein Vorteil gegenüber HEIC?

Für bestimmte Aufgaben ja. WEBP kann sowohl verlustbehaftet als auch verlustfrei arbeiten; im verlustfreien Modus wird keinerlei Pixelinformation verworfen, was für Bearbeitungsabläufe und Grafiken mit scharfen Kanten wertvoll ist. HEIC wird in der Praxis dagegen als verlustbehaftetes Format eingesetzt. Allerdings erzeugt verlustfreies WEBP bei Fotos sehr große Dateien, dieser Vorteil ist also bei Bildern mit Grafik- und Textinhalt bedeutsam, nicht bei Urlaubsfotos.

Warum verwendet das iPhone HEIC und das Web WEBP?

Beide entstanden aus den unterschiedlichen Bedürfnissen unterschiedlicher Ökosysteme. Apple wollte den Gerätespeicher effizient nutzen und machte HEIC auf seinen Telefonen zum Standard, die ohnehin über eine hardwareseitige HEVC-Unterstützung verfügten. WEBP wurde dagegen von Google entwickelt, um Webseiten zu beschleunigen, und war von Anfang an auf Browserunterstützung ausgelegt. Im Ergebnis dominiert HEIC auf dem Gerät und WEBP im Web; deshalb muss ein Foto, das das Telefon verlässt, beim Eintritt ins Web das Format wechseln.

Unterstützen beide Transparenz?

WEBP unterstützt den Alphakanal sowohl im verlustbehafteten als auch im verlustfreien Modus, Sie können damit also Bilder mit transparentem Hintergrund erzeugen. Auch HEIC kann technisch einen Alphakanal führen, doch diese Fähigkeit wird im Ablauf der Telefonfotografie praktisch nicht genutzt, und die Zahl der Programme, die sie unterstützen, ist begrenzt. Arbeiten Sie an etwas, das Transparenz erfordert, ist WEBP die weit sicherere Wahl.

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