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Was ist WEBM? Wie funktionieren die Codecs VP8, VP9 und AV1
Ratgeber

Was ist WEBM? Wie funktionieren die Codecs VP8, VP9 und AV1

5 Min. Lesezeit

Das eigene Videoformat des Webs

Wenn Sie im Internet ein Video anschauen, denken Sie meist nicht darüber nach, welche Datei Ihr Browser im Hintergrund lädt. Doch diese Datei hat ein Format, und höchstwahrscheinlich ist es WEBM.

WEBM ist ein offener Videocontainer, der für Webbrowser entworfen wurde. Der Grund seiner Entstehung war klar: Damit Browser Video abspielen konnten, brauchte es ein Format ohne Lizenzbeschränkungen, das jeder frei verwenden darf. H.264, damals der verbreitetste Video-Codec, war an Patentlizenzen gebunden und bereitete quelloffenen Browsern Probleme. WEBM entstand, um diese Lücke zu füllen.

Heute funktioniert WEBM im Browser nahezu überall. Außerhalb des Browsers sieht es ganz anders aus – und um den Grund dafür zu verstehen, muss man zuerst in den Container schauen.

WEBM ist ein Container, der Inhalt variiert

Eine Videodatei besteht aus zwei Schichten: dem äußeren Container und dem inneren Codec.

Der Container ist die Struktur, die Videospur, Tonspur, gegebenenfalls Untertitel und deren Zeitinformationen zusammenhält. WEBM ist ein Container. Technisch ist es eine für das Web eingeschränkte Fassung des Matroska-Containers (MKV) – während MKV alles aufnehmen kann, lässt WEBM nur bestimmte offene Codecs zu.

Die Video-Codecs, die Sie in WEBM finden können:

  • VP8: die erste Generation. Grob aus derselben Epoche wie H.264, mit ähnlicher Effizienz.
  • VP9: die zweite Generation. Deutlich bessere Kompression, breite Browserunterstützung.
  • AV1: die dritte Generation. Nachfolger von VP9, effizienter, aber in der Kodierung weit aufwendiger.

Auf der Tonseite finden sich Vorbis (in älteren Dateien) und Opus (in neueren Dateien).

Diese Liste wirkt kurz, doch das ist Absicht. Die Stärke von WEBM kommt nicht aus Flexibilität, sondern aus Vorhersehbarkeit: Sieht ein Browser WEBM, kennt er den Inhalt in einem engen Rahmen und kann sich darauf einstellen.

Wie komprimieren die Codecs besser?

Der Grundgedanke der Videokompression lautet: Aufeinanderfolgende Einzelbilder ähneln einander sehr. Steht in einer Szene die Kamera still und spricht nur eine Person, ändert sich zwischen den Bildern nur ein sehr kleiner Teil des Bildinhalts. Statt jedes Bild vollständig zu speichern, hält der Codec fest, "was sich gegenüber dem vorherigen verändert hat".

Der Unterschied zwischen den Codec-Generationen liegt darin, wie gut sie diese Vorhersage treffen. Neuere Generationen können das Bild flexibler in Blöcke unterteilen, Bewegung feiner verfolgen und komplexere Vorhersageverfahren nutzen. Deshalb liefert VP9 mit weniger Daten eine vergleichbare Qualität wie H.264 – und AV1 wiederum mit weniger als VP9.

Das hat jedoch seinen Preis, und der ist sehr konkret: klügere Kompression bedeutet mehr Rechenaufwand. Die Kodierung mit VP9 ist langsamer als mit H.264. Die Kodierung mit AV1 ist noch einmal deutlich langsamer. Selbst ein kurzes Video kann spürbar Zeit kosten, bei langen und hochauflösenden Aufnahmen dauert der Vorgang Minuten. Das ist der grundlegende Tausch, den man bei der Arbeit mit WEBM akzeptieren muss.

Das größte Problem von WEBM: den Browser verlassen

WEBM funktioniert im Browser hervorragend. Die Probleme beginnen, sobald Sie den Browser verlassen.

Die Galerie-App Ihres Telefons kennt WEBM meist nicht. Smart-TVs öffnen es überwiegend nicht. Ein Teil der Videoschnittprogramme verweigert den Import. Die meisten Social-Media-Plattformen nehmen den Upload nicht an. In Messenger-Apps wie WhatsApp geht die Datei als Dokument durch, nicht als Video.

Der Grund ist kein technischer Mangel, sondern ein Unterschied im Ökosystem. Gerätehersteller und Plattformen haben über Jahre Hardware und Infrastruktur um H.264 herum aufgebaut; in jedem Telefonchip steckt eine eigene Schaltung, die H.264 dekodiert. Für VP9 und AV1 ist diese Unterstützung neuer und schmaler. Die Grenze von WEBM liegt also nicht im Format selbst, sondern darin, wohin der Rest der Welt investiert hat.

Warum ist der Wechsel von WEBM zu MP4 nicht verlustfrei?

Hier kommen wir zu einem entscheidenden Punkt. Manche Formatumwandlungen sind nur ein Containerwechsel: Die Daten werden aus einer Kiste genommen und in eine andere gelegt, das Bild wird gar nicht angerührt. Das nennt man Remux, und es entsteht kein Qualitätsverlust.

Beim Wechsel von WEBM zu MP4 ist das nicht möglich. Denn der MP4-Container nimmt die Codecs, die WEBM trägt, im gängigen Gebrauch nicht auf – legen Sie VP9-Video und Opus-Ton in eine MP4-Datei, können die meisten Geräte die entstehende Datei nicht öffnen, und Ihr Vorgang verfehlt genau das Ziel, um dessentwillen Sie ihn gestartet haben: Kompatibilität.

Deshalb erfordert die Umwandlung immer eine Neukodierung: Das VP9-/AV1-Bild wird dekodiert und als H.264 neu komprimiert, der Opus-Ton wird nach AAC umgewandelt. Der Wechsel von einem verlustbehafteten Codec zu einem anderen kostet immer ein Maß an Information. Mit guten Einstellungen bleibt dieser Verlust auf einem Niveau, das die meisten Zuschauer nicht bemerken, technisch ist er aber vorhanden und lässt sich nicht rückgängig machen. Außerdem kostet der Vorgang Zeit.

Es gibt noch einen Nebeneffekt: Die Datei wird meist größer. Da VP9 effizienter ist, braucht es mit H.264 mehr Daten, um dieselbe Qualität zu halten. Das Werkzeug zur Umwandlung von WEBM in MP4 versucht, diese Balance an einem vernünftigen Punkt zu halten, aber die Physik kann es nicht ändern.

Wann ist WEBM eine gute Wahl?

Entscheiden Sie sich in diesem Fall für WEBM: Das Video wird auf Ihrer eigenen Website veröffentlicht und die Zuschauer sehen es im Browser. In diesem Szenario bietet WEBM eine kleinere Datei, schnelleres Laden und ein offenes Format ohne Lizenzärger. Zudem gibt es Unterstützung für einen Alphakanal, also einen transparenten Hintergrund – eine Eigenschaft, die es bei MP4 im gängigen Gebrauch nicht gibt.

Meiden Sie WEBM oder wandeln Sie um, wenn das Video in soziale Netzwerke hochgeladen, auf dem Telefon aus der Galerie angeschaut, auf dem Fernseher abgespielt oder in ein Schnittprogramm übernommen werden soll.

Zusammengefasst

WEBM ist ein offener Container, der für den Bedarf des Webs entworfen wurde, und für diese Aufgabe ist er wirklich gut. Die enthaltenen Codecs VP9 und AV1 komprimieren effizienter als H.264 und lassen sich das mit Kodierdauer und Geräteunterstützung bezahlen. Wollen Sie zu MP4 wechseln, erwartet Sie eine unvermeidliche Neukodierung – gegen einen kleinen Qualitätsverlust und eine wahrscheinlich größere Datei bekommen Sie ein Video, das sich überall öffnen lässt. Auf welcher Seite Sie stehen sollten, bestimmt der Ort, an den das Video geht.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es einen Zusammenhang zwischen WEBM und MKV?

Ja, WEBM ist im Grunde eine eingeschränkte Fassung des Matroska- also MKV-Containers. MKV ist ein sehr flexibler Container, der nahezu jeden Codec aufnehmen kann; WEBM ist dessen für das Web zurechtgestutzte Variante und lässt nur bestimmte offene Codecs zu. Diese Einschränkung ist kein Mangel, sondern eine bewusste Entwurfsentscheidung: Sie sorgt dafür, dass Browser genau wissen, was sie erwartet. Deshalb laufen WEBM-Dateien auch in den meisten Playern, die MKV öffnen können.

Ist AV1 wirklich besser als VP9?

In puncto Kompressionseffizienz wurde AV1 als Nachfolger von VP9 entworfen und kann dieselbe sichtbare Qualität im Allgemeinen mit weniger Daten transportieren. Dieser Vorteil hat jedoch seinen Preis: Die Kodierung mit AV1 ist rechnerisch weit aufwendiger und dauert deutlich länger. Zudem ist die hardwareseitige AV1-Dekodierung vergleichsweise neu, das heißt, auf älteren Geräten lastet die Wiedergabe auf dem Prozessor und der Akkuverbrauch steigt. Wenn Sie nicht in Sendegröße arbeiten, bietet VP9 weiterhin eine vernünftige Balance.

Warum sind WEBM-Dateien kleiner als MP4-Dateien?

Der Grund ist nicht der Container selbst, sondern der Codec darin. VP9 und AV1 verwenden fortgeschrittenere Kompressionstechniken als H.264 und können dieselbe sichtbare Qualität mit weniger Daten ausdrücken. Kodieren Sie dasselbe Bildmaterial mit H.264, brauchen Sie mehr Daten, um eine vergleichbare Qualität zu halten. Die geringe Größe von WEBM kommt also nicht von der Endung, sondern von einer neueren Kompressionsgeneration.

Warum lässt sich meine WEBM-Datei auf dem Telefon nicht öffnen?

Die WEBM-Unterstützung liegt überwiegend in der Browserwelt; die Galerie- und Medien-Apps der Betriebssysteme sind meist um MP4 herum gebaut. Der Browser Ihres Telefons kann WEBM problemlos abspielen, während die Galerie desselben Telefons die Datei gar nicht kennt. Das ist keine Frage von Qualität oder Fehlern, sondern nur davon, wo die Unterstützung liegt. Wollen Sie die Datei in der Galerie sehen, müssen Sie sie nach MP4 umwandeln.

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